Der Veranstaltungsort

Der Ort beeinflusst die Atmosphäre Deiner Veranstaltung. Damit alle Deine Besucher*innen sich willkommen fühlen, geben wir hier Tipps, was bei der Auswahl des Ortes zu berücksichtigen ist. Neben genügend Platz für alle ist zum Beispiel auch der Zugang wichtig, wie ein stufenloser Eingang, und die Ausstattung der Räume, wie unterschiedlich hohe Sitzgelegenheiten.

Informiere Deine Gäste schon auf Deiner Website und auf Deinem Flyer, inwiefern Dein Veranstaltungsort barrierefrei ist. Als freundlicher Zusatz-Service kannst Du auch Tipps für barrierefreie Restaurants und Hotels in der Umgebung geben.

Blick auf den Eingang des Universalmuseums Joanneum in Graz, Österreich. Rechts befindet sich eine Drehtür aus Glas. links ein separater Eingang für Menschen mit Rollstuhl. Ein Knopf zum automatischen Türöffnen ist sichtbar. Auf dem Boden befinden sich taktile Blindenleitsysteme.

Foto: N. Lackner | Universalmuseum Joanneum

Zugang

In Deutschland gibt es für alles Richtlinien, Verordnungen und Normen. Für Deine barrierefreie Veranstaltung geben sie Aufschluss darüber, wie lang und breit eine Rampe sein darf und welche Steigung sie haben sollte, damit Leute mit Rollstuhl / Rollator / Kinderwagen usw. diese ohne Probleme hochfahren können. Für das Gemeinschaftsgefühl ist es besser, wenn alle Gäste die Location über Eingänge nutzen können, die direkt nebeneinander sind. Daher ist ein stufenloser Zugang in das Gebäude besonders wichtig. Auch ist es sinnvoll, die Fahrstühle selbst zu testen: Sind sie breit genug? Werden die Stockwerke angesagt? Gelangen Gäste über die Fahrstühle ebenerdig in die nächste Etage?

Foto: N. Lackner | Universalmuseum Joanneum
Das Bild zeigt ein Stück ein rundförmiges Treppengeländer. Die Unterseite des Handlaufs ist mit Braillieschrift versehen.

openTransfer CAMP 2015 #Inklusion in Dortmund
Foto: Andi Weiland | www.opentransfer.de (CC by nc)

Ein paar Zahlen

  • Rampe: Steigung möglichst maximal 6% und 120cm Breite.
  • Aufzüge sind bei Veranstaltungen über mehrere Etagen ein Muss. Optimal sind sie 110-140 cm breit.
  • Türen sollten möglichst breit (optimal 90cm) und leicht zu öffnen sein.
  • Treppen brauchen eine rutschfeste Oberfläche und ein Geländer zum Festhalten. Optimaler Weise ist dieses auf 85-90 cm angebracht und läuft über die erste und letzte Stufe hinaus. Treppenkanten können über farbliche und taktile Markierungen besser erkannt werden.

openTransfer CAMP 2015 #Inklusion in Dortmund
Foto: Andi Weiland | www.opentransfer.de (CC by nc)

Die Ausstattung

Folgende Räume sind sinnvoll für eine Aufteilung, wenn der Veranstaltungsort dafür geeignet ist: Hauptraum mit Bühne, Rückzugsraum, Essensraum, Toiletten. Auch eine betreute Spielecke für Kinder trägt dazu bei, dass Gäste die Teilnahme am Events besser mit dem Familienleben vereinbaren können. Für eine gute Orientierung sind Hinweisschilder mit großer Schrift und Piktogrammen nötig. Außerdem hilfreich sind auch sogenannte Blindenleitsysteme, also Leitstreifen auf dem Boden, die sich mit dem Blindenstock ertasten lassen.

Eine lange Rampe führt auf eine Bühne. Sie ist aus silbernem Metall und hat an den Seiten gelbe Elemente. Im Hintergrund sitzen Podiumsgäste auf Stühlen.

Fachtag „AllerArt Inklusion“ der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung
Foto: Andi Weiland | BKJ

„Jede*r diskutiert mit“

Der Hauptraum mit Bühne sollte für jeden Gast gut zu erreichen sein, also am besten stufenlos, über glatten Boden (statt Teppich), tastbare Bodenindikatoren und leicht zu öffnende Türen. Innerhalb des Hauptraums kann zwischen der Ausstattung der Bühne und des Zuschauerbereichs unterschieden werden. Die Bühne sollte sich nach ihren Gästen ausrichten, z.B. benötigen rollstuhlfahrende Podiumsgäste eine Rampe und kleinwüchsige Menschen höhenverstellbare Rednerpulte. Im Zuschauerraum wollen rollstuhlfahrende Gäste nicht allein sitzen, sondern neben ihrer Begleitperson oder anderen Gästen. Daher ist es gut, wenn es am Rand der Stuhlreihen und vor der ersten Stuhlreihe extra Raum für Rollstuhfahrer*innen gibt. Achte darauf, dass der Platz zwischen Bühne und erster Reihe ausreichend ist, damit sich Rollstuhlfahrende gut platzieren können. In den vorderen Reihen sollten Plätze für gehörlose Menschen reserviert werden, damit sie eine gute Sicht auf die Gebärdensprachdolmetscher*innen haben.

Fachtag „AllerArt Inklusion“ der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung
Foto: Andi Weiland | BKJ

3 Zusatz-Tipps:

  • für die Bühne keinen elektrischen Lift einsetzen, der langsam und laut ist
  • bei Veranstaltungen, bei denen die Teilnehmer*innen stehen (z.B. Konzerten), ein zusätzliches Podest für freie Sicht der rollstuhlfahrenden Gäste aufbauen
  • kein blendenes oder flackerndes Licht, am besten auch dimmbar
Ein Raum, der durch Vorhänge abgedunkelt werden kann. Im Vordergrund eine schwarze dünne Matratze mit vielen roten und weißen Kissen. Im Hintergrund zwei gemütliche Drehstühle. Unter dem Fenster liegen Rosenblüten.

reCampaign 2015
Foto: Lilian Masuhr

„Jede*r macht mal ’ne Pause“

Als Rückzugsraum für Gespräche in kleinen Gruppen ist ein geräuscharmer Raum gut (v.a. hörbeeinträchtigte Menschen profitieren davon). Für’s Ausruhen sind abzuschließende kleine Räume mit Sitz- und Liegemöglichkeiten (nach Möglichkeit höhenverstellbar) von Vorteil. Auch Traubenzucker, Wasser und Zeitschriften sind praktisch.

reCampaign 2015
Foto: Lilian Masuhr

Ein Rollstuhlfahrer nimmt sich selbst das Essen aus den Töpfen des Caterings. Der Tisch ist so tief angebracht, dass er mit dem Löffel im Sitzen gut das Essen schöffeln kann.

openTransfer CAMP 2015 #Inklusion in Dortmund
Foto: Andi Weiland | www.opentransfer.de (CC by nc)

„Jede*r isst mal ’nen Snack“

Die Essensausgabe im Essensraum sollte eine gute Interaktionsmöglichkeit zwischen Catering-Personal und Gästen ermöglichen. Dies wird u.a ermöglicht durch möglichst wenig Sichtbarrieren wie Vitrinen und eine Assistenz für die Essensausgabe für blinde Besucher*innen. Die Inhaltsstoffe der Speisen und Getränke müssen gekennzeichnet werden, vor allem Allergene wie Gluten, Laktose, Nuss. Vegetarische Angebote, sowie Alternativen zu Schweinefleisch, sind wichtig, ähnlich wie Strohhalme für z.B. Menschen mit Muskelerkrankungen. Von Sitzgelegenheiten profitieren alle, die gerne beim Essen sitzen, und kleine Menschen benötigen niedrige Stühle. An Sitztischen am besten auch Lücken für Rollstuhlfahrer*innen lassen und auch Platz zwischen den Tischen zum Durchkommen.

openTransfer CAMP 2015 #Inklusion in Dortmund
Foto: Andi Weiland | www.opentransfer.de (CC by nc)

Ein Schild aus Glas mit schwarzer Markierung. Darauf das Rollstuhl-Symbol für die behindertengerechte Toilette und die Überschrift Garderobe. Darunter auch in Braille-Schrift.

Fachtag „AllerArt Inklusion“ der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung
Foto: Andi Weiland | BKJ

„Jede*r muss mal aufs stille Örtchen“

Die Tür zu den Toiletten ist am besten leicht zu öffnen. Sollte sie verschlossen sein, muss ein Schlüssel beim Veranstalter bzw. der Veranstalterin vorliegen, z.B. beim Infodesk. Am Infodesk sollte Personal anzutreffen sein, das blinden Teilnehmer*innen bei Bedarf den Weg zur Toilette zeigt. Um die Sicherheit der Gäste zu garantieren, sind in der Toilette auch optische und akustische Warnsignale wichtig. Achte darauf, dass die rollstuhlgerechte Toilette genügend groß ist, damit sich Menschen im Rollstuhl frei bewegen können. Außerdem sind Unisex-Toiletten ein guter Service für Transgender-Menschen, sowie jenen, die sich keinem Geschlecht zuordnen.

Fachtag „AllerArt Inklusion“ der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung
Foto: Andi Weiland | BKJ

Rampen:

Es ist es praktisch eine mobile Rampe für u.a. Rollstuhlfahrer*innen, sowie Hocker für kleine Menschen vor Ort zu haben. Sprich ansonsten mit denjenigen, die die Bühnen aufbauen. Meistens haben sie eine Rampe zum Aufbau da und könnten diese liegen lassen. Wenn nicht, gibt es für kleine Bühnen (max. 30cm hoch) die wheelramp.de. Für große Bühnen frage bei lokalen Rampenherstellern vor Ort, z.B. Fischer und Timme oder beim Deutschen Roten Kreuz nach.

Für den Notfall:

  • Verbandskasten am besten direkt am Infodesk
  • Feueralarmknopf gut sichtbar und ertastbar
  • Feuerlöscher auch auf Rollstuhlhöhe anbringen (nicht höher als 1,1m)
  • Fluchtmöglichkeit auch für Rollstuhlfahrende gewährleistet (z.B. breite Wege ohne Treppen, Feuerwehraufzüge, breite Treppen und Evac Chair) und blinde Menschen (tastbare Kennzeichnung des Fluchtweges)
  • Barrierefreies Infosystem (auch gehörlose Menschen über Alarm informieren)

Die Umgebung

Wenn Deine Redner*innen und Deine Gäste nicht aus der Stadt sind, in der das Event stattfindet, dann helfen ihnen Tipps und Informationen zu Übernachtung und dem leiblichen Wohl in der jeweiligen Stadt. Ob etwa Hotels und Restaurants rollstuhlgerecht sind, kannst Du im Vorhinein ganz einfach mit der Online-Karte wheelmap.org checken. Die Wheelmap ist für Gäste, die mit dem Rollstuhl unterwegs sind, ebenfalls eine gute Adresse, wenn es darum geht, die Umgebung rund um Dein Event zu erkunden. Die Berliner Verkehrsgesellschaft BVG bietet einen kostenlosen Begleitservice für Menschen mit Behinderung an. Und auf der Seite der Bahn kannst du checken, ob der Ankunftsbahnhof barrierefrei ist.

Ein Rollstuhlfahrer gelangt über eine kleine Rampe in das Rollstuhltaxi. Neben ihm steht ein Taxifahrer, der ihm beim Einsteigen hilft.

Foto: Andi Weiland | Sozialhelden e.V.

Rollstuhl-Taxi

In den meisten Städten gibt es noch keine rollstuhlgerechten Taxen. Dann müssen Dienste wie z.B. Die Johanniter oder das Deutsche Rote Kreuz, genutzt werden. Es gibt aber schon einige extra Rollstuhltaxi-Dienste:

Foto: Andi Weiland | Sozialhelden e.V.

wheelmap.org – Die Karte für rollstuhlgerechte Orte.
travelable.info – Informationen zur Barrierefreiheit in Städten.

community.wheelmap.org – Tipps für den Berlin-Besuch mit Rollstuhl.

Jetzt die Checkliste herunterladen:

Checkliste Veranstaltungsort (PDF)